Das Thema ist altbekannt im Internet. Hersteller fürchten und bekämpfen negative Meinungsäußerungen über sich und Ihre Produkte mit allen Mitteln. Ein Auseinandersetzung oder der direkte Dialog mit den enttäuschten Kunden würde aber oftmals die negative PR ins Positive wandel.

Ich fasse die Geschichte mal zusammen. Die lange und gut geschrieben Fassung gibt es hier: Abmahnung gegen Meinungsfreiheit?

  1. Im August äußert sich ein enttäuschter Kunde von Reckert Werkstatt Möbel negativ über deren Kulanz im Forum von wasserbetten-news.de
  2. Jemand, anscheindend der Bruder der Pressesprecherin von Reckert, postet daraufhin im Forum eine Lobeshymne, die kurze Zeit später gelöscht wird
  3. Daraufhin meldet sich Reckert per Fax, dass der Forumspost von von einem Schuldner von Reckert ist und bittet um Löschung. Die Story war aber wohl auch erfunden.
  4. Dann kam die Abmahnung von Reckert an wasserbetten-news.de
  5. Das ganze geht durch 2 Instanzen und jedes Mal scheitert Reckert

In den meisten Fällen geht es nicht so “gut” aus, denn die betroffenen haben meist nicht die finanziellen Mittel und den Mut gegen solche Abmahnungen vor Gericht zu gehen.

Geht es hier also um eine Unterdrückung von Meinungsfreiheit? Natürlich kann jeder seine Meinung zu einem Produkt kund tun. Doch tut man dies schriftlich und öffentlich im Internet gelten oft ähnliche gesetzliche Regeln wie für Journalisten. Wie zum Beispiel die journalistische Sorgfaltspflicht. Wie umfangreich das Ganze ist, kann man hier nachlesen. Diese Regeln sollten sich vor allem Blogger anschauen.

Im Falle von Reckert vs. wasserbetten.de geht es aber um Nutzer-generierten-Inhalt. Also Inhalte die von einem Besucher auf einer Plattform erstellt wurden, die auch wirklich als subjektive Meinung zu erkennen war. Meiner Meinung nach hat hier also das Gericht konsequent richtig entschieden und alle Web2.0 Bewertungsplattformen können wieder ein wenig Aufatmen.

Aber was hätte Reckert denn anders machen sollen? Ganz einfach: Kommunizieren, und zwar echt und nicht mit gefälschten Versuchen der Wiedergutmachung. Reckert hätte ganz offen in Form eines Mitarbeiters oder des Pressesprechers im Forum antworten und um Klärung bitten können. Das Eingestehen von Fehlern ist keine Niederlage und die öffentliche Auseinandersetzung mit unzufriedenen Kunden eine Sache, die sicherlich positiv haften bleibt. Man lässt unzufriedene Kunden ja auch nicht vom Sicherheitspersonal aus einem gut gefüllten Laden schmeißen.

Wer sich noch weitere Streisand-Effekte anschauen will, sollten mal nach “JAKO” und “Jack Wolfskin” googlen. Die haben es nämlich geschafft in den Top 10 Ergebnissen für Ihren eigenen Markennamen fast 50% schlechte PR zu platzieren.